Warum du in den USA umdenken musst, wenn du zu Fuß unterwegs bist
Los Angeles, 17 Uhr. Die Sonne brennt auf den Asphalt, und ein deutsches Touristenpaar verlässt sein Hotel, um ein Restaurant in der Nähe zu besuchen. „Sind ja nur 15 Minuten zu Fuß“, sagen sie sich. Doch nach fünf Minuten wird klar: Gehwege gibt es kaum, die Straßen sind riesig, und außer ein paar Joggern sieht man keine Fußgänger. Als dann noch ein SUV neben ihnen hält und der Fahrer fragt: „Hey, braucht ihr eine Mitfahrgelegenheit?“, wird es endgültig seltsam.
Herzlich willkommen in den USA – einem Land, das für Autos gebaut wurde.
“Wie? Ihr fahrt mit dem Auto dorthin?“
In Europa sind wir es gewohnt, Städte zu Fuß zu erkunden. Historische Altstädte mit Kopfsteinpflaster, breite Fußgängerzonen, öffentliche Plätze, die zum Verweilen einladen – all das gehört zum Stadtbild. Wer einen Wochenendtrip nach Paris oder Rom macht, plant ganz selbstverständlich, die Stadt mit den eigenen Füßen zu entdecken.
Und dann kommen viele Europäer in die USA – und erleben einen regelrechten Kulturschock. Warum? Weil die meisten amerikanischen Städte nicht für Fußgänger gebaut wurden.
Ein klassisches Beispiel: Ein deutscher Tourist in Los Angeles sieht auf der Karte, dass sein Hotel nur 1,5 Kilometer vom nächsten Restaurant entfernt liegt. „Perfekt, wir laufen einfach hin“, denkt er sich – und steht plötzlich ohne Gehweg an einer vierspurigen Straße, die mehr für SUVs als für Fußgänger gemacht ist.
Viele amerikanische Städte, vor allem außerhalb der Ostküste, sind nicht so gewachsen wie europäische Städte. Statt organisch rund um einen Stadtkern zu entstehen, wurden sie am Reißbrett entworfen – und das mit dem Auto als Hauptverkehrsmittel. Wer in den USA zu Fuß geht, fällt oft auf. Manchmal so sehr, dass Anwohner sogar fragen: „Alles okay? Brauchst du eine Mitfahrgelegenheit?“
Was bedeutet das für europäische Reisende?
Wer zum ersten Mal in den USA unterwegs ist, merkt schnell: Die gewohnten Regeln aus Europa gelten hier nicht. Damit du vorbereitet bist, kommen hier ein paar Dinge, die du wissen solltest:
Entfernungen fühlen sich anders an.
In Europa ist eine Strecke von 3 km gut zu Fuß machbar. In den USA kann das bedeuten, dass du drei gesichtslose Blocks ohne Gehwege überquerst – oder an einer Schnellstraße entlangläufst.
Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht überall eine Option.
Während in europäischen Städten Busse, Bahnen und Straßenbahnen gut ausgebaut sind, sind viele US-Städte ohne Auto kaum zu erkunden. New York, Chicago oder San Francisco sind Ausnahmen – aber in Städten wie Houston oder Phoenix ist es fast unmöglich, sich ohne Auto fortzubewegen.
Ein Mietwagen ist oft die beste Wahl.
Wer nur in einer Stadt bleibt, kann vielleicht auf Uber oder öffentliche Verkehrsmittel setzen. Aber wer wirklich die USA erleben will, kommt um ein Auto kaum herum. Selbst in ländlichen Gegenden sind Tankstellen oft die einzigen Orte, an denen man kurz „anhalten“ kann – Fußgänger sind schlicht nicht eingeplant.
Wo kann man in den USA trotzdem gut zu Fuß gehen?
Es gibt aber auch positive Überraschungen. Einige Städte sind sehr fußgängerfreundlich:
• New York City – Perfekt für Fußgänger, mit einem klaren Raster an Straßen und vielen Sehenswürdigkeiten, die sich zu Fuß entdecken lassen.
• San Francisco – Trotz der Hügel ein Paradies für Spaziergänge, besonders in Vierteln wie Chinatown oder dem Mission District.
• Boston – Eine der ältesten Städte der USA, mit einem kompakten Zentrum, das europäisch anmutet.
• Washington, D.C. – Perfekt für lange Spaziergänge entlang der National Mall und den berühmten Denkmälern.
Die USA sind anders – aber genau das macht den Reiz aus
Ja, die USA sind nicht für Fußgänger gemacht – aber genau das macht sie so einzigartig. Wer sich darauf einlässt, merkt schnell: Hier geht es nicht um das gemütliche Schlendern durch Altstadtgassen, sondern um das Gefühl von Freiheit. Und wenn du einmal mit dem Auto eine endlose Straße entlangfährst, das Radio laut aufdrehst und der Horizont vor dir flimmert, wirst du verstehen:
Manche Orte sind eben fürs Fahren gemacht – und genau das ist ihr Zauber.